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Was ist Bewegungs- und Körpertherapie?

Eine Einordnung

Die Bewegungs- und Körpertherapie, ist eine körperorientierte Therapiemethode und wird der Komplementärtherapie zugeordnet. Sie entwickelte sich um die 1920-er Jahre aus den Einflüssen des modernen Ausdruckstanzes, der Tiefenpsychologie und humanistischen Psychologie, sowie gymnastischen Ansätzen. Sie verbindet Körpererleben mit funktionalem Erleben und versteht den Körper als Zugang zu innerpsychischen Prozessen.

Sie kann sowohl eigenständig als auch interdisziplinär eingesetzt werden und findet Anwendung in psychosomatischen, psychiatrischen, rehabilitativen sowie ambulanten Settings. Sie kann sowohl stabilisierend und ressourcenorientiert als auch prozessorientiert und vertiefend wirken.

Abgrenzung zur Physiotherapie

Während die Physiotherapie vor allem Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und körperliche Funktionsstörungen behandelt, liegt der Fokus der Bewegungs- und Körpertherapie auf:

  • der Verbindung von Körper, Emotion und innerem Erleben
  • der Wahrnehmung und Regulation innerer Zustände
  • der Verarbeitung psychischer Konflikte über den Körper und die Bewegung

Abgrenzung zur Psychotherapie

Im Unterschied zur klassischen Psychotherapie steht nicht die verbale Bearbeitung von Inhalten im Vordergrund, sondern deren körperlicher Ausdruck. Emotionen, innere Konflikte und lebensgeschichtliche Prägungen zeigen sich im Körper z.B. in der Körperspannung, Atmung, Haltung oder im Bewegungsmuster. Der Körper ist somit Ausgangspunkt und zugleich Medium der Behandlung.

Ein Einblick aus der Praxis

Anhand des folgenden Praxisbeispiels möchte ich verdeutlichen, wie Bewegungs- und Körpertherapie wirken kann.

Das übergeordnete Ziel einer Klientin ist es, ihre Kraft zu leben und selbstsicherer zu werden.

Durch das Einnehmen verschiedener Körperhaltungen erforschen wir, wie es sich anfühlen könnte, sich selbstsicher zu zeigen.

Ich zeige der Klientin eine Bewegung vor: einen klaren Schritt nach vorne, mit etwas Gewicht im Körper, Präsenz in Brust und Schultern – eine Haltung von Stolz und Stabilität. So gehen wir einen Moment durch den Raum. Nehmen Musik dazu und setzen Akzente. Nach einem Moment sagt sie:

«Oh, so kraftvoll. Das mache ich, wenn mir das nächste Mal ein Mann blöd kommt.»

Die Bewegung war nicht nur eine Übung. Sie machte etwas sichtbar, das zuvor nicht bewusst war: Im Tun und Erleben löste die Bewegung eine Erinnerung beziehungsweise eine Assoziation aus, die vorher noch keinen bewussten Zusammenhang darstellte. 

Erst im anschliessenden Gespräch wird deutlich, womit dieses Erleben zusammenhängt. Sie erzählt, dass sie sich oft unsicher fühlt, wenn sie vor männlichen Kollegen eine Arbeit präsentieren oder ein ihr wichtiges Anliegen vertreten muss.

Wie dieses Beispiel verdeutlicht, zeigen sich Themen oft zuerst im Körper, noch bevor sie in Worte gefasst werden können. Kraft und Selbstsicherheit wird hier nicht nur mit dem Verstand begriffen, sondern unmittelbar im Körper erfahren und verstanden. 

In der weiteren gemeinsamen therapeutischen Arbeit wird dieses Erleben nun weiter erforscht, verändert und sobald es sich passend anfühlt, gestärkt. Dadurch kann die Klientin nicht nur eine neue Erfahrung machen, sondern auch eine alternative Handlungsmöglichkeit unmittelbar mit dem Körper erleben und neu einüben.